Bau des Wasserwerkes

Vom "Hindenburg-Befreiungsturm" über "Gruppenwasserwerk Gerauer Land" zum "Wasserwerk Gerauer Land"

Verwaltungsgebäude

Wasserversorgung im Verbund

Mitinitiator der städtischen Wasserversorgung war 1927 das Groß-Gerauer Kreisamt. Da auch in den umliegenden Gemeinden die Wasserversorgung neu einzurichten war, strebte man eine ge­meinsame Lösung an. Am 12. Juni 1927 wurde die Satzung für den »Gemeindeverband für das Gruppenwasserwerk Gerauer Land, Sitz Groß-Gerau« von den Gemeinden Berkach, Dornberg, Büttelborn, Klein-Gerau und Groß-Gerau verabschiedet. Bereits am 18. Oktober 1927 erfolgte der erste Spatenstich zum Bau des Pumpwerkes. Im Laufe des Jahres 1928 wurden dann Rohre in einer Länge von 80 Kilometern verlegt.

Gründungsversammlung für das Gruppenwasserwerk Gerauer Land
Östlich des Gerauer Bahnhofs beim Bohrungsbeginn für die Brunnen zur Wasserversorgung,

Bau des Wasserturms 1928

1928 folgte der Bau des Wasserturms, der als Speicher und Druckbe­hälter dienen sollte. Der 45,18 m hohe Turm beherbergte einen 500 cbm fassenden Behälter. Die Wassermenge entsprach etwa einem Drittel der da­mals von den beteiligten Gemeinden benötigten Tagesmenge. Insgesamt waren 2355 Häuser angeschlossen.

Zum Bau des Turms wurden 65 t Eisen, 600 Sack Zement und 1000 cbm Schotter und Kies verwendet. Am 13. Oktober 1930 war er fertig gestellt und als »Hindenburg-Befreiungsturm« (Bezug zur Rheinlandbefreiung von der französischen Besatzung) eingeweiht.

Rohbau Wasserturm, 1929
Wasserturm, 1961

Zu kleine Anlage nach 1945

Beim amerikanischen Einmarsch in Groß-Gerau wurde der Wasserturm leicht beschädigt, ohne seine Funktion zu gefährden. Schwerer betroffen war das Wasserwerk selbst. Die Brunnenanlage war so weit zerstört, dass die Wasserversorgung aus den Brunnen der Helvetia-Konservenfabrik durch unaufbereitetes Wasser aufrechterhalten werden musste.

Der Bevölkerungszuwachs - Groß­Gerau überschritt 1953 die 10.000-Einwohner-Grenze - führte zu Engpässen in der Versorgung.
Auch die Umlandgemeinden wuchsen, so dass bis 1960
80 km neue Leitungen verlegt werden mussten. Da die Kapazität der Anlage damit überschritten war, beschloss man, die Gesamtanlage zu erweitern und zu modernisieren. 1961 begann man mit dem Neubau des Wasserwerks, der am 21. Oktober 1966 eingeweiht werden konnte.

Wasserwerk, 1961
Rohbau Wasserwerk, 1963

10.000 Kubikmeter täglich für 60.000 Verbraucher

Heute erfolgt die Versorgung des inzwischen um die Gemeinden Nauheim und Trebur angewachsenen Wasserverbandes aus 10 Brunnen im Stadtwald. Aus 69 m Tiefe wird der tägliche Bedarf von 10.000 cbm geschöpft ­ Grundwasser von hervorragender Qualität.

Unter den ca. 6500 Wasserwerken in Deutschland gehört es der Förderleistung nach zu den 200 größten Einrichtungen. Wichtiger Bestandteil für die Versorgungssicherheit ist nach wie vor der Groß-Gerauer Wasserturm, dessen oberes Drittel ständig aus den beiden je 1500 cbm fassenden Wasserkammern des Wasserwerks gespeist wird.
Verantwortliche Organe des Wasserverbandes sind der Vorstand, der aus den Bürgermeistern der beteiligten Gemeinden gebildet wird. Dem übergeordnet ist die Verbandsversammlung, deren 12 Mitglieder von den Gemeindeparlamenten bestimmt werden.

Wasserwerk Ansicht von Breslauer Strasse,1966
Anbau Verwaltungsgebäude Wasserwerk, 1988
Anbau Verwaltungsgebäude Wasserwerk, 1988